Wie wir als Verbraucher dank Lobbyismus tagtäglich beschissen werden

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veröffentlicht auf Facebook am 06.02.2025

Es ist erschreckend, wie sehr wir als Verbraucher*innen tagtäglich mit irreführender Werbung und Täuschung konfrontiert werden – und oft steckt dahinter der unaufhörliche Einfluss von Lobbyisten, die alles daran setzen, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu manipulieren und ihre eigenen Interessen zu fördern. Hier einige Beispiele, die zeigen, wie das funktioniert:

❎ Bahn-Verspätungen erst ab 6 Minuten – Die Deutsche Bahn zeigt uns nur dann Verspätungen an, wenn diese mindestens 6 Minuten betragen. Zeitweise war sogar eine Erhöhung auf 14 Minuten im Gespräch. Auf den ersten Blick scheint es, als ob der Service gut läuft, aber diese Zahl verfälscht die tatsächliche Pünktlichkeitsquote. Ein simpler Trick, der nur eines im Sinn hat: Statistiken schönzurechnen.

❎ Ähnlich ist es bei Arbeitssuchenden: Um die Statistik zu schönen, werden Menschen, die sich in einer Bildungsmaßnahme befinden (aber ALG I beziehen), nicht als arbeitslos gerechnet.

❎ „Zero“-Produkte mit Zucker – Getränke, die als „Zero“ oder „ohne Zucker“ beworben werden, enthalten dennoch Zuckerersatzstoffe, die die Blutzuckerwerte beeinflussen können – manchmal sogar in Verbindung mit echten Zuckermengen. Das suggeriert uns eine gesunde Wahl, obwohl der Effekt oft genau der gleiche ist wie bei den klassischen zuckerhaltigen Getränken.

❎ „Natürlich“ oder „Bio“ bei Lebensmitteln – Wir werden immer wieder mit Begriffen wie „natürlich“ oder „Bio“ gelockt, doch diese Ausdrücke sind oft nichts anderes als Marketingstrategien. „Natürlich“ ist nicht geschützt, was bedeutet, dass Produkte, die künstliche Aromen oder Zusatzstoffe enthalten, trotzdem als „natürlich“ verkauft werden können.

❎ Ebenso ist es mit frei erfundenen Qualitätssiegeln und eigenen Bio-Siegeln der Hersteller. Sie wirken positiv, werden aber nicht unabhängig zertifiziert.

❎ Und die Liste ist lang. Volkswagen täuschte uns mit dem „Dieselgate“-Skandal über die Umweltfreundlichkeit seiner Fahrzeuge.

❎ Red Bull machte mit seinem Slogan „Red Bull verleiht Flügel“ leere Versprechungen über die Leistungssteigerung.

❎ Produkte, die mit „Made in Germany“ beworben werden, stellen sich häufig als in Wahrheit teils im Ausland produzierte Waren heraus.

Was haben all diese Beispiele gemeinsam? Sie wurden durch den Einfluss von Lobbyisten ermöglicht. Unternehmen investieren Milliarden in Lobbyarbeit, um Gesetze und Vorschriften so zu gestalten, dass ihre Produkte besser dastehen, oder um strengere Regulierungen zu verhindern. Im Endeffekt zahlt der Verbraucher die Zeche und verliert zunehmend das Vertrauen in die Integrität der Wirtschaft und Politik.

Dieser Einfluss auf politische Entscheidungen führt zu einer Politikverdrossenheit, die durch mangelnde Transparenz und das Gefühl der Ohnmacht weiter angeheizt wird. Wir sollten endlich strengere Regeln für Lobbyismus fordern und mehr Transparenz in den politischen Entscheidungsprozessen einfordern. Denn nur so können wir das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Institutionen zurückgewinnen.

Autor: Stefan Merten | Cogito