Über die AfD, Unzufriedenheit und die Suche nach Sündenböcken
Ein zentrales Missverständnis über den Erfolg der AfD ist die Annahme, dass ihre Wähler sie nur deshalb wählen, weil sie sich Lösungen von ihr versprechen. Das mag bei vielen Wählern zutreffen, aber längst nicht bei allen: Der Erfolg der AfD bemisst sich für viele ihrer Unterstützer nicht an dem, was sie für sie tut, sondern an dem, was sie gegen andere tut – gegen jene, die sie als Bedrohung, als fremd oder als störend empfinden oder auf die sie neidisch sind.
Dahinter steckt mehr als reine politische Überzeugung. Es ist ein tief sitzendes Gefühl der Unzufriedenheit – mit der Gesellschaft, mit der Politik, aber auch mit dem eigenen Leben. Viele AfD-Wähler fühlen sich abgehängt, übersehen, nicht gehört. Sie erleben eine Welt, die sich ständig verändert, oft in einem Tempo, das sie nicht mehr mitgehen können oder wollen. Statt Lösungen zu bieten, greift die AfD gezielt in dieses Gefühl der Frustration – und lenkt es um. Nicht in produktive Bahnen, sondern in Richtung Hass.
Neid, Ohnmacht und Selbstablehnung
Wo es an Selbstwertgefühl mangelt, wächst oft der Wunsch, sich über andere zu erheben. Wer sich selbst als Verlierer fühlt, sucht nach Schuldigen. Und hier bietet die AfD eine einfache Antwort: Die Anderen. Migranten, queere Menschen, politisch Engagierte, Intellektuelle, Medien – alle, die anders sind oder als „Elite“ wahrgenommen werden, werden zur Projektionsfläche für den eigenen Frust.
Doch dieser Weg führt in eine Sackgasse. Weder der Neid auf andere noch der Hass auf vermeintliche Sündenböcke können das eigene Leben verbessern. Die AfD bietet keine Lösungen für soziale Gerechtigkeit, keinen Plan für eine solidarische Zukunft, keine Antworten auf wirtschaftliche Sorgen. Was sie bietet, ist ein Ventil. Doch eines, das nicht befreit, sondern weiter vergiftet – die Gesellschaft ebenso wie die Psyche derer, die diesem Zorn verfallen.
Was die Gesellschaft tun kann
Es reicht nicht, den Rechtspopulismus moralisch zu verurteilen. Wir müssen verstehen, was Menschen dorthin treibt – und Alternativen aufzeigen. Das beginnt bei echter sozialer Teilhabe, Bildung und einem Gefühl von Zugehörigkeit. Wir brauchen Räume, in denen Menschen ihre Sorgen äußern können, ohne sofort abgekanzelt zu werden – aber auch Räume, in denen sie mit Fakten und Empathie konfrontiert werden.
Statt uns von der Logik des Gegeneinanders leiten zu lassen, müssen wir wieder ein stärkeres Miteinander schaffen. Das bedeutet auch, sich bewusst gegen Spaltung zu stellen – durch Engagement, Aufklärung, Dialog. Die AfD nährt sich vom Leid und von der Wut. Doch beides lässt sich überwinden – durch Solidarität, Menschlichkeit und ein neues Gefühl von Selbstwirksamkeit.
Denn der Ausweg aus der Unzufriedenheit liegt nicht in der Ausgrenzung anderer. Sondern in der Ermächtigung zur Veränderung – gemeinsam, nicht gegeneinander. Das ist nicht falsch zu verstehen: Dieses Miteinander bezieht sich allein auf die Menschen. Es bezieht sich in keiner Weise auf eine Partei, die sich die „Überwindung“ der Demokratie, der Abschaffung von Rechtsstaatlichkeit, die Förderung von Hass und Gewalt und ein rechtsextremistisches Selbstbild und Gedankengut auf die Fahne geschrieben hat.

