Das Chaos in den USA – Strategie statt Unfähigkeit

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Seit dem erneuten Amtsantritt von Donald Trump wurde das hierdurch entstandene und sich ausweitende politische Chaos in den USA zunehmend als Zeichen von Inkompetenz und internen Machtkämpfen interpretiert. Dass absolute Unfähigkeit vieler beteiligter Menschen ein Teil des Ganzen ist – geschenkt. Doch die Wahrheit könnte weitaus düsterer und strategischer sein: Das Chaos ist gewollt.

Im Zentrum dieser Entwicklung steht „Project 2025″, ein von der konservativen Denkfabrik Heritage Foundation 2022 ins Leben gerufenes Programm. Ziel: Im Falle eines Trump-Sieges die US-Bundesregierung radikal umzugestalten. Mit Beiträgen von über 350 konservativen Autoren zielt das Projekt darauf ab, die Bundesbehörden zu entmachten, präsidiale Macht auszubauen und die Verwaltung durch linientreue Beamte zu ersetzen.

▶️▶️▶️ Die Agenda von Project 2025

Die Kernpunkte des Programms umfassen:

❕ Umstrukturierung der Bundesbehörden: Die Abschaffung des Bildungs- und Handelsministeriums sowie die Einschränkung der Umweltbehörde EPA sind bereits teilweise oder vollständig umgesetzt.

❕ Personalpolitik: Rund 50.000 Bundesbeamte sollen durch loyale Anhänger ersetzt werden, um den sogenannten „Deep State“ auszumerzen. Hieran arbeitet gerade das Team von Elon Musk, unter dem Vorwand, Steuermittel einzusparen.

❕ Wirtschafts- und Steuerpolitik: Einführung eines Konsumsteuersystems und drastische Senkung der Unternehmenssteuern. Damit sollen Superreiche entlastet, Arme und die bürgerliche Schicht aber zusätzlich belasten werden – eine klassische Umschichtung der Steuerpflichten.

❕ Ausbau der Exekutivgewalt: Mehr Kontrolle für den Präsidenten und Abschaffung des Kündigungsschutzes für Regierungsbeamte. Auch dies befindet sich bereits mitten in der Umsetzung. Vizepräsident JD Vance vertritt sogar die Auffassung, dass die Exekutivgewalt des Präsidenten nicht einschränkbar ist und auch nicht einer gerichtlichen Kontrolle unterliegt – also ein klassisches autokratisches Regierungssystem.

Die Befürchtungen von Kritikern, dass Project 2025 die Gewaltenteilung aushöhlt und die Demokratie untergräbt, sind berechtigt. Tatsächlich könnte dies jedoch nur die Spitze des Eisbergs sein.

▶️▶️▶️ Die Strategie hinter dem Chaos

Die Unruhen, die sich vor allem in Gegenden mit Wählern der Demokratischen Partei, aber auch insbesondere in der schwarzen Community abzeichnen, scheinen gezielt provoziert zu werden. In sozialen Medien rufen viele schwarze Aktivisten ihre Mitmenschen dazu auf, Ruhe zu bewahren und sich nicht in Gewaltakte verwickeln zu lassen. Der Grund: Ein gewaltsamer Ausbruch würde den Weg für Notstandsgesetze ebnen, die die Verfassung und demokratische Grundrechte aushebeln könnten. Dass das ein Ziel der Initiatoren des „Project 2025“ sein könnte, ist aus dem Kontext der Inhalte durchaus vorstellbar.

Diese Strategie ist nicht neu. Bereits Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege von Donald Trump und von diesem nach Verurteilung begnadigt, propagierte bereits vor Jahren die Idee, „das System zu zerstören, um es neu aufzubauen“. Elon Musk, der sich zunehmend in politische Debatten einmischt, sprach offen von der „Schwäche der westlichen Zivilisation durch Empathie“.

Ein besonders einflussreicher Akteur im Hintergrund ist der Tech-Milliardär Peter Thiel. Thiel, Mitgründer von PayPal und früher Investor bei Facebook, ist ein bekennender Libertärer, der sich für eine radikale Reduzierung staatlicher Eingriffe und eine stärkere Fokussierung auf individuelle Freiheit ausspricht. Thiel kritisiert die Demokratie als „inkompatibel mit langfristigem Fortschritt“ und hat mehrfach in politische Kampagnen investiert, die autoritäre Führer und nationalistische Bewegungen unterstützen. Seiner Auffassung nach sollten Milliardäre weltweit das Sagen haben, nicht gewählte Politiker.

Thiels Unternehmen Palantir, ein Big-Data-Analyseunternehmen, arbeitet eng mit staatlichen Sicherheitsbehörden zusammen und liefert Werkzeuge für die Massenüberwachung. Diese Technologie könnte im Falle eines Notstandes eine zentrale Rolle bei der Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung spielen.

▶️▶️▶️ Das Endziel: Autokratie unter dem Deckmantel der Krise

Sollte es tatsächlich zu einem Bürgerkrieg oder massiven sozialen Unruhen kommen, könnte die Regierung unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit Notstandsgesetze verhängen. Dies würde es ermöglichen, demokratische Institutionen auszuhebeln und eine autokratische Machtstruktur zu etablieren – ein Szenario, das den Architekten von Project 2025 in die Hände spielt.

Ein Beispiel für diese Strategie zeigte sich bereits während der Black Lives Matter-Proteste 2020. Damals wurden friedliche Demonstranten als „Terroristen“ diffamiert und Bundespolizeieinheiten eingesetzt, um die Proteste gewaltsam niederzuschlagen. Dies könnte als Blaupause für zukünftige Eskalationen dienen.

▶️▶️▶️ Fazit

Das derzeitige Chaos in den USA ist kein Zufall und auch kein Resultat bloßer Inkompetenz. Es ist eine strategisch orchestrierte Destabilisierung, die darauf abzielt, das Land in einen Ausnahmezustand zu versetzen und damit den Weg für eine autokratische Machtübernahme durch die Drahtzieher von Project 2025 zu ebnen. Die Bürger der USA stehen vor der Herausforderung, diesen perfiden Plan zu durchschauen und friedlich, aber bestimmt für ihre demokratischen Rechte zu kämpfen.

Autor: Stefan Merten | Cogito